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Bevor Airbus mir jetzt seine Anwälte schickt: Der Vergleich ist natürlich Schwachsinn. Ein Learjet kann Passagiere schneller und billiger als ein Airbus ans Ziel bringen. Klappt aber nur, wenn wenn wir von max 10 Personen sprechen (ein Learjet nimmt weniger als ein Dutzend Personen auf, ein A340 Hunderte) und wenn er eine Abkürzung fliegt (ein A340 hat eine höhere maximale Fluggeschwindigkeit als ein Learjet).

 

Was soll der seltsame Vergleich? Es ist ein typischer Äpfel-mit-Birnen-Vergleich, wie er mir kürzlich auch in dem Artikel "Oracle punktet gegen NetApp: Mehr Performance, geringere Kosten" begegnet ist. Der Artikel beruht wohl auf Aussagen, die Oracle auf der Produktwebseite zur Sun ZFS Storage 7320 Appliance macht. Dort steht: "32% higher throughput and 9% faster overall response time than the NetApp FAS3270 on the SPECsfs2008_nfs benchmark* at a fraction of the cost". Und nachdem ich bei Hochzeits-Crasher ein Menge gelacht habe, lade ich mich zu der Benchmark-Party selber ein.

 

Gehen wir die einzelnen Aussagen Stück für Stück an:

 

Performance -  "32% higher throughput and 9% faster overall response time"


SPEC SFS2008 ist ein Benchmark der primär die Leistungsfähigkeit des NAS-Controllers vermisst. Dazu wird das Disksubsystem üblicherweise so ausgebaut, dass es nicht das Limit darstellt.

 

Die beiden betreffenden Resultate sind auf der SPEC Webseite inklusive der Konfiguration der Systeme und der Testbedingungen verfügbar:

 

NetApp FAS3270: Die FAS erreicht in einem 1,5 Jahre alten Ergebnis einen Wert von 101183 Ops/Sec (Overall Response Time = 1.66 msec).

Sun ZFS Storage 7320 Appliance: Die Sunkist erreicht in einem brandneuen Test einen Wert von 134140 Ops/Sec (Overall Response Time = 1.51 msec).

 

Das spiegelt die Aussage von Oracle wider. Wenn man sich jedoch etwas mit dem SPECsfs auskennt, weiss man, dass die Systeme oft in alltagsfernen Konfigurationen getestet werden. Meist wird kräftig getuned. Sehr beliebt sind hier Tricks wie "RAID ausschalten", "viele, viele kleine Disks", "sehr viel Cache" oder "viele kleine Filesysteme" damit die Workload nicht zu random wird.

 

NetApp testet Systeme üblicherweise in einer recht praxisnahen Konfiguration. Auch in diesem Test: Ein Filesystem pro Controller, die zu diesem Zeitpunkt üblichen 450GB/15K SAS Drives, und natürlich mit eingeschaltetem RAID-DP, unserem leistungsfähigen RAID6-Verfahren. Wir betrachten den Test mit eingeschaltetem RAID-DP auch als vertrauensbildende Maßnahme. Es ist ein klares Statement: "Unser System performt im Alltag!"

 

Bei der SUN 7320 findet sich das typische Tuning. Mehrere 17 Disk (300GB/15K SAS) große RAID0-Pools und 32 Filesysteme. Wir erinnern uns, RAID0 ist reines Striping, und die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt mit jeder weiteren Platte. Diese Konfiguration mag für Scratch gut sein, für ernsthafte Datenhaltung ist sie unbrauchbar. ZFS hat mit RAID-Z2 ein bezüglich Datensicherheit (laut Datenblatt) ähnlich sicheres Verfahren wie ONTAP. Aber natürlich kostet Sicherheit Performance. Müsste die 7320 in dem Benchmark aber zusätzlich RAID-Z2 berechnen, würde sich der "32% higher throughput" wahrscheinlich ins Gegenteil verkehren. Wenn ich dem Blogeintrag "WHEN TO (AND NOT TO) USE RAID-Z" glauben darf, liegt hier eine sehr viel hässlichere Wahrheit vergraben. ("Effectively, as a first approximation, an N-disk RAID-Z group will behave as a single device in terms of delivered random input IOPS. Thus a 10-disk group of devices each capable of 200-IOPS, will globally act as a 200-IOPS capable RAID-Z group.") *Hust.* Demnach wuerde das Disk-Backend dann nur noch 17 * 200 IOPS schaffen ...


Einen Punkt muss ich Oracle hier aber geben. Dank des Einsatzes von SSD's erreichen sie das Controllerlimit schon mit 136 Disks, NetApp nutzt fast 3x soviel Disks im Test. Das ist ein klares Statement, dass Mechanismen wie NetApp's FlashCache (SUN's Read Flash Accelerator sind ein ähnliches Funktionsprinzip) wirkungsvoll die Anzahl der nötigen Festplatten reduzieren können, wenn IOPS gefordert sind. Heute würde wir den gleichen Benchmark wahrscheinlich mit FlashCache und weniger Disks durchführen. NetApp verkauft mittlerweile mehr als die Hälfte aller FAS32x0/62x0 Systeme mit FlashCache.

 

Capacity - Schliesslich kauft man Storage zum Speichern von Daten

 

Bevor wir über das Thema Preis reden, lohnt es sich, etwas Zeit mit Kapazität zu verbringen. Hier die Fakten:

 

In den SPECsfs-Tests erreicht das SUN-System eine usable Capacity von 37TB (also 32 Filesysteme a 1,2 TB). Das NetApp System hat 126TB, entspricht Faktor 3,4. Wenn man den fehlenden RAID-Schutz mit einrechnet, kommt das SUN-System nur noch auf 28,8 TB (136 Disks, max (7+2) Disks pro Raid). Faktor 4,4 mehr Kapazität mit dem NetApp System.

 

Viel mehr geht bei der 7320 auch nicht. In der HA-Config kann man max. 8x24=192 Disks anstecken. Die von Oracle getestete Konfiguration kann also um maximal 48 Disks erweitert werden und erreicht dann knappe 39TB. Das ist sehr viel für einen ambitionierten Heimanwender, für Unternehmen jedoch eher am unteren Ende. Die FAS3270 kann maximal 960 Disks verwalten …

 

Preis

 

Üblicherweise wird Storage nach Kapazität gekauft. Wenn das System die funktionalen Anforderungen erfüllt und schnell genug ist, sind Kapazität und Preis pro Gigabyte das primäre Kaufkriterium. Demnach darf das NetApp System aus dem SPECsfs-Test auch das 4,4- fache kosten. NetApp -Systeme werden aber nicht nur wegen der Leistungsfähigkeit des Blechs gekauft. Die Stärke unserer Systeme liegt in der einfachen Skalierbarkeit (die FAS3270 kann auf bis zu 960 Disks erweitert werden), der umfangreichen Applikationsintegration und dem gewaltigen Ecosystem.

 

So reißerisch die Schlagzeile auch klingt, der Benchmark wirbt für die Lösung eines Problems, das es in der Realität der IT- Abteilungen meist nicht gibt. Es ist daher fraglich, wo der Sweetspot der Sun ZFS Storage 7320 Appliance liegen soll. Scratch für temporäre Daten? Das macht eine NetApp E-Series auch, nur günstiger und schneller. Mit Raid6 ...

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